Eine Ausgabe der Zeitschrift NEON (#4/2016) lag gestern bei einer Freundin auf dem Sofa. Beim Blättern blieb ich bei einer Überschrift hängen: „Welche Hoffnung hast du aufgegeben?“ Junge Menschen zwischen 17 und 30 Jahren antworten da:

„Die auf den Weltfrieden. Als Kind habe ich noch dran geglaubt.“

„Reich und berühmt zu werden – da hätte ich mich wohl früher drum kümmern müssen.“

“ In meiner Heimatstadt studieren zu können. Jetzt studiere ich in Stuttgart Fotodesign – auch in Ordnung.“

„Die Frage hat sich mir nie gestellt: Ich war schon immer ein zynischer Realist.“

Captain Fantastic_1„Dass ich ein Einser-Abitur schaffe.“

„Mein Optimismus hat sich zu oft bewahrheitet. Deshalb gebe ich die Hoffnung nie auf.“

„Im Moment die Hoffnung, dass Deutschland ein tolerantes Land ist.“

„Ich wollte immer Profi-Surferin auf Hawaii werden und Zehnmeterwellen reiten.“

„Dass sich gewisse Probleme durch Abwarten und Tee trinken in Luft auflösen.“

„Keine – ich bin gerne naiv.“

„Dass sie mir antwortet, nachdem ich ihr seit fünf Jahren alle paar Monate schreibe.“

„Dass ich mit meinen Wurstfingern noch ein begnadeter Ukulele-Spieler werde.“

„Fliegen zu lernen. So richtig. Mit eigenen Flügeln und so.“

„Irgendwann mal alle Rechnungen sofort bezahlen zu können.“

Ein breites Spektrum, realisierbare und unrealistische Hoffnungen – und dazwischen der trotzige Wunsch, Hoffnungen behalten zu können. Als ich dann abends bei der Abschlussgala des Filmfests Münchens war, wurde ein Film gezeigt, der ab Mitte August in unsere Kinos kommt: „Captain Fantastic“. Ein wunderbarer Film über Idealismus und Eigensinn, über die Hoffnung auf ein besseres Leben und die Auseinandersetzung mit Notwendigkeiten.

Auch hier wieder die Frage: „Welche Hoffnung gebe ich auf, welche behalte ich? – Und gibt es Kompromisse?“ Gute Fragen! Welche Hoffnung habe ich aufgegegeben? Da fallen mir viele ein, idealistische Hoffnungen wie die Überwindung des Hungers auf der Welt; dass Menschen ohne Kriege, Kämpfe und Streite miteinander leben könnten; dass Besitztum und Reichtum nicht Angst und Aggression schürt, sondern Basis für Großzügigkeit und Souveränität ist; dass wir im Einklang mit der Natur leben können, …

Meine Hoffnung jetzt? Mir selber zu jeder Zeit im Spiegel in die Augen sehen zu können, den Anforderngen, dabei aber auch gleichzeitig immer auch mir gerecht zu werden, und am Ende meiner Tage nach zurück zu blicken und zu sagen: „Du hast gegeben, was du konntest und es war gut so.“ Unrealistisch? Idealistisch? Ich will es wenigstens versuchen.