Mimese nennt man die Fähigkeit von Tieren, sich an ihr Umfeld anzupassen, um sich vor drohender Gefahr zu schützen. Das Chamäleon imitiert häufig Blätter,  Stöcke, Gräser, den Waldboden und seine Umgebung.

Aber es kann sich auch Angriffsfarben „anziehen“, grell und bunt, um seinem Gegenüber Angst zu machen, und es kommuniziert auch mithilfe seines Farbwechsels bei der Balz. Seine Farbe verändert es darüber hinaus auch abhängig von äußeren Faktoren wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Tageszeit oder Luftfeuchtigkeit. Bei hohen Temperaturen färbt sich das Chamäleon hell, um das einfallende Licht zu reflektieren. Bei niedrigen Temperaturen nimmt es eine dunkle Farbe an, um die Energie des Lichts aufzunehmen. Ist es jedoch einer zu hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt, färbt es sich schwarz. In der Nacht nimmt es sehr helle Farben an. (Wikipedia) Ein ständiger Farbwechsel also, je nach Umgebung und Situation, je nach Notwendigkeit und Bedürfnis.

Das Chamäleon ist doch eine wirklich schöne Metapher für Anpassungsfähigkeit: auch wir passen uns permanent unserer Umgebung an, aus Schutz, um mit der Umgebung klar zu kommen, aber auch beim Flirten und „Balzen“. Und auch für uns macht es viel Sinn, auch für uns kann es notwendig und schützend sein, unser Verhalten dem Kontext anzupassen. Gut, dass wir dazu im Stande sind! Wie schade, dass „Du bist ja ein Chamäleon!“ – wohl eher negativ verstanden wird.

Hauptsache ist doch, wir verwechseln unsere Kontexte nicht. Und behalten selber den Überblick, wann wir uns anpassen wollen, müssen oder sollten; wann „tarnen“ gut und wann „Farbe bekennen“ angebracht ist.
Aber ist es nicht eine tolle Sache, dass wir grundsätzlich eine unglaubliche Fülle an Möglichkeiten und die Fähigkeit haben, uns flexibel auf unsere Umgebung und die jeweiligen Notwendigkeiten einzustellen – wie das Chamäleon eben. Anpassen kann wertvoll sein und eine besondere Stärke.

Und wenn Sie sich dann fragen, wer Sie sind, wenn Sie doch mehrere sind… Beim und nach dem Farbwechsel zweifelt niemand dran, dass das grüne Chamäleon auch das braune Chamäleon ist. Es ist und bleibt dieses eine Chamäleon mit seiner besonderen Gabe, sich dem Umfeld anzupassen, sich durch seine Anpassung Vorteile zu erhoffen und Nachteile zu minimieren.

Ich glaube aber, es gibt doch einen sehr großen Unterschied bei dieser Metapher: das Chamäleon denkt nicht, dass es mehrere wäre, nur weil es anders zu sein scheint; es ist einfach es selbst im Kontakt und Austausch mit seiner Umgebung. Das ist ja gerade seine besondere Stärke!

 

Beitragsfoto von Frank Vassen
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