Vor einigen Tagen rief mich eine Redakteurin mit der Bitte um ein Interview an: in Schweden wird eine Stelle geschaffen, die der Person die Möglichkeit bietet, jeden Arbeitstag genau das zu tun, war er oder sie für richtig hält – bei voller Bezahlung, mit Jobgarantie und Rentenanspruch und das lebenslänglich. Nur eine kleine Bedingung ist damit verbunden: morgens und abends sollte diese Person die Uhr einer Kunst-Lichtinstallation an- und abends wieder ausstellen, das heißt, die Stechuhr betätigen. „Wie sehen Sie das Projekt? Hat so ein ‚Traumjob‘ auch negative Seiten?“

Was bedeutet Freiheit eigentlich?Das Projekt sieht vor, dass eine Person angestellt wird, der – bis auf die beiden Zeitpunkte für das Ein- und Ausschalten der Uhr – vollkommen freigestellt ist, mit ihrer Zeit zu tun und zu lassen, wozu sie möchte. „Das Projekt soll das Verständnis von Wachstum, Produktivität und Fortschritt auf den Prüfstand stellen. Das ist doch schon mal ein Wert an sich“, sagt Magdalena Malm von der schwedischen Kunstbehörde. „Das Projekt ‚Eternal Employment'“, so erklärt sie, „ist allerdings weit mehr als ein Traumjob. Es ist ein experimentelle Konzept der Künstler Simon Goldin und Jakob Senneby. … Es ist keine Lizenz zum Faulsein. Dem Angestellten wird freigestellt zu tun, was er will. Er wird jeden Tag die freie Wahl haben: Er kann kreativ sein, Projekte verfolgen oder sich für den Müßiggang entscheiden. Die Stechuhr zu betätigen, ist seine einzige Aufgabe, sie ist mit einer Lichtinstallation im Bahnhof gekoppelt. Der Bahnhof wird in ein anderes Licht getaucht, wenn der Angestellte im Dienst ist – was auch immer der „Dienst“ sein mag.“

Es kam nicht zum Interview mit Antenne Bayern, da der Gesprächstermin verlegt wurde in die Zeit meines Urlaubs. Aber der Gedanke hat mich beschäftigt.

Wie würde es mir gehen? Was würde ich tun? Welche Freiheiten würde ich in welcher Form genießen – und wie würde ich die „Bedingung“ langfristig erleben?
Verändert die Tatsache, dass es ein „Kunstprojekt“ ist, die Haltung des Einzelnen zur Situation?

Viele Gedanken waren es. Schließlich bin ich sogar zu dem Punkt gekommen zu überlegen, ob ich diese Bedingung und die Aussicht, mein „ganzes Leben“ an das Kunstprojekt zu binden, sogar ablehnen würde. Was schafft mir Freiheit, welche Freiheiten brauche ich?
Welche suchen Sie?

Beitragsfoto: www.ferienhausschweden.net
Fotos im Text: www.eisenbahn-nord.de