„Vielleicht geht es uns doch zu gut“, ging es mir durch den Kopf, „so gut, dass wir nicht mehr erkennen und genießen, was wir haben.“ Oh… das kenne ich gar nicht von mir! Das wundert mich, dass ich jetzt so denke. In der Regel habe ich Verständnis für alle möglichen Unzufriedenheiten und negativ empfundenen Situationen und überlege gerne, womit dies zusammen hängen könnte, was der Kern ist und welche Verbesserungsmöglichkeiten es kurz-, aber auch mittel- und langfristig geben könnte. Heute war dem auf einmal nicht mehr so.

Augsburg

Wieder einmal berichten die Nachrichten, Zeitungen, News von Missständen, Untergangs- und Krisenszenarien überall. Wen wundert es, dass man tatsächlich den Eindruck bekommt, es sei alles im Argen. Aber dem ist nicht so. Natürlich gibt es immer wieder und wieder Missstände und auch Ungerechtigkeiten und auch sehr schwierige Situationen, sowohl persönliche, als auch strukturelle, wirtschaftliche, gesellschaftliche, ökologische und politische – das kann und darf man nicht negieren.
Aber… sehen wir eigentlich auch die andere Seite? Was alles klappt, was wir haben, was wir können, wo wir stehen?

Garmisch-Partenkirchen

Beim Fußball fällt derzeit während der Spiele und in den Kommentaren zur WM immer wieder ein Ausdruck: „Sie sind hungrig“. Oder entsprechend: „Sie waren nicht hungrig genug.“ Hungrig nach Erfolg, nach Vorwärtskommen, nach dem Gewinnen, dem Siegen.

Vielleicht sind wir an der einen oder anderen Stelle nicht anders als unsere „Jungs“ und nicht mehr hungrig. Wir sind satt und bleiben in unserer Komfortzone und deklamieren, wie schlecht es uns geht, wie schlecht es um uns herum ist.
Aber wann sind andere, wann wir für unsere Situation verantwortlich? Und sind wir oder andere für deren Veränderung verantwortlich?
Ja, es ist vieles schlecht. Aber… sehen wir auch das, was gut ist und was wir bereits erreicht haben? Und wo wir selber einen Schritt zur Veränderung und zur Verbesserung tun könnten?

Nürnberg

Natürlich ist Unzufriedenheit per se nicht verkehrt, oft erst der Motor zu Veränderung und Verbesserung – der Hunger. So soll es sein, so muss es manchmal sein.

Aber zu sehen, was man erreicht hat, was man hat, was man trotzdem auch hat, vermeidet, ungerecht zu sein, bitter zu werden und undankbar zu verharren.
Zu sehen, was man hat, was man trotzdem hat, ermöglicht erst Dankbarkeit, Zufriedenheit und sogar das Gefühl des Glücks.