Immer wieder höre ich das Zitat, womit Vergleichen in Bausch und Bogen abgetan wird: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ von Sören Kierkegaard. Und immer wieder denke ich dabei das gleiche: das kann man doch so pauschal nicht sagen! Vergleichen ist doch per se nicht schlecht, es hängt vielmehr davon ab, welche Interpretation ich aus dem Vergleich ziehe.

SprinterDer soziale Vergleich ist sogar notwendig, denn über diesen gleiche ich mein Selbstbild ab, ich justiere meine Selbsteinschätzung und bekomme wichtige Informationen über mich. Bin ich beim Laufen schneller als meine Freundinnen, dann laufe ich schnell; traue ich mich nicht vom 3m Sprungbrett zu springen, während es meine Klassenkameraden schon längst getan haben, so bin ich in diesem Punkt weniger mutig.

Die Frage ist doch, mit wem vergleiche ich mich? Und dann auch: Wie gehe ich mit dem Ergebnis dieser Beobachtung um?

Vergleiche ich mich mit Menschen, die etwas viel besser machen als ich, so schneide ich fürchterlich schlecht ab. Bewerte ich dies jetzt als Schwäche? Wohingegen etwas als Stärke, wenn ich beim Vergleich mit schwächer abschneidenden Menschen besser bin? Stimmt, der Vergleich hinkt! So einfach geht das nicht.

Wenn ich mich besser einschätzen möchte, so sollte ich dies mit Menschen aus einem ähnlichen Kontext tun. Wenn ich mich beim Laufen mit Usain Bolt (mehrfacher Olympiasieger) vergleiche, so enthält dieser Vergleich überhaupt keine Information, außer vielleicht, dass Laufen für mich keinen Sinn macht, ich mein Training wegen Minderbegabung einstellen sollte. Wohingegen meine Klassenkameradinnen eine gute Vergleichsgruppe ergeben und ich sogar angespornt sein könnte, mehr zu trainieren, um noch besser zu werden. Ist meine Vergleichsgruppe hingegen weit jünger, so könnte ich mir zwar einbilden, sehr schnell zu laufen – vielleicht gar mich bald für Olympia qualifizieren zu können – doch würde dies niemand anderes außer mir auch glauben.

Sprintender GeschftsmannWähle ich beim Vergleich eine falsche Vergleichsgruppe, nehme dieses Ergebnis jedoch als Basis für meine Selbstdefinition, so muss ich natürlich unglücklich werden. Wenn ich meine Laufzeiten mit den Ergebnissen der Profis vergleiche – und gleichzeitig so tue, als würde ich dies nicht bemerken – so wäre ich natürlich unendlich verzweifelt, wie desaströs meine Zeiten sind; ich wäre natürlich maßlos unzufrieden und auch unglücklich. Wäre ich dann zufriden und glücklich, wenn ich mich mit den Langsameren vergleiche? Eventuell. Wenn es mir z.B. zeigt, dass ich große Fortschritte gemacht habe.

Ich könnte mich auch mit Personen vergleichen, die ein Stück besser sind als ich. Und dies nicht nur, um zu sehen, wohin mein Training führen könnte, sondern um zu lernen, wie sie es anstellen, wie sie trainieren und was sie besser machen. Und das muss nicht zu Unglück und zu Unzufriedenheit führen. Das kann Inspiration sein, Lernen und Entwicklung bedeuten. Und dann ist vergleichen gar nicht so schlecht.

Als ich neulich meinen geschätzten Freund und Kollegen, Johannes Warth, bei seinem Vortrag begleitete, bewunderte ich seine Gewandheit auf der Bühne und beim Ansprechen der Leute – klar, er ist Schauspieler. In Zukunft werde ich mich auch weiterhin auf der Bühne nicht heimisch fühlen, aber von der Freude an und der Leichtigkeit der Selbstpräsentation werde ich mir ein Scheibchen abschneiden.