„Spaß ist im Job nicht vorgesehen“, las ich den bekannten Autor, Karriere- und Personalberater Heiko Mell einer jungen Frau antworten. Nein, im Beruf geht es um Karriere, das Einbringen seiner Fähigkeiten und Kenntnisse – und natürlich um den Broterwerb. Spaß ist hier nicht vorgesehen. So so… Der Satz fiel mir besonders auf, nachdem jede/r Zweite/r, die/der zu mir kommt, sagt: „Die Arbeit soll mir doch auch Spaß machen!“
Ist der Anspruch, Spaß in seiner beruflichen Tätigkeit zu finden, unberechtigt – vielleicht sogar traumtänzerisch? Nein, das denke ich nicht.

Arbeit darf Spaß machenSprechen beide überhaupt vom selben, wenn sie vom Spaß sprechen?
Heiko Mell ist gut über 70 Jahre alt, meine Kundinnen und Kunden, die dies sagten, meist 40 und jünger. Da kann es doch durchaus sein, dass beide von unterschiedlichen Dingen sprechen.

Spaß hat inzwischen tatsächlich mehrere Bedeutungen bekommen: da meine ich auf der einen Seite die Zerstreuung, die Zeit vertreibende Unterhaltung im Sinn von ‚zusammen Spaß haben‘, einfach eine ’spaßige Zeit verbringen‘, etwas machen, das eine lustige Abwechslung ist. Für manche grenzt Spaß sogar an ‚Blödsinn zusammen machen‘. Verständlich, dass das nicht in die Arbeit passt.
Aber wenn ich sage, etwas soll mir Spaß machen, da meine ich auch, dass es etwas ist, das ich gerne tue, etwas, das Freude bereitet und dies sogar im nachhaltigen Sinn: es soll Freude machen und Sinn vermitteln, so dass ich erlebe ‚das, was ich tue, mache ich gerne, weil es mir ein gutes Gefühl gibt – persönlich und inhaltlich‘.
Ist das zu viel verlangt?

Nein, das ist nicht zu viel verlangt. Denn warum sollte es nicht möglich sein, das Notwendige mit dem Freudevollen zu verbinden. Aber: selbstverständlich ist es nicht.

Wann macht uns unsere Arbeit eigentlich Spaß?
Wenn wir unsere Fähigkeiten und Erfahrungen einsetzen, eingebunden sind in einer Gruppe, Ergebnisse erzielen, einen Beitrag zu etwas Größerem leisten und Anerkennung erhalten.
Ja, es ist möglich, die eigene Tätigkeit so zu erleben. Und es ist erlaubt, danach zu suchen!

Arbeit darf doch Spaß machen!Dieses Foto ging quasi um die Welt: ein Chinese hat an einer Kletterwand einen Kiosk installiert und verkauft hier den Kletternden Wasser. Ob er Spaß bei seiner Arbeit hat, das wissen wir nicht. Vielleicht hatte er lediglich eine gute Geschäftsidee. Hat er Erfolg, so macht ihm dieser wahrscheinlich Spaß. Ist er selber Kletterer, dann ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass seine Arbeit ihm Spaß macht: er klettert selber bis zum Kiosk, kennt die Tücken, denen seine Kundinnen und Kunden begegnen und weiß, wie wertvoll ein Schluck Wasser in der Wand ist. Das gibt seiner Arbeit zusätzlich eine Komponente der Sinnhaftigkeit; dazu fühlt er sich mit den anderen Kletterern verbunden und bekommt in deren Freude und durch seinen Erfolg auch Anerkennung. Gelungen!
Wie leicht kann man sich hier die unterschiedlichen Dimensionen des Spaß vorstellen.

Sicherlich würde der eine oder die andere das Geschäftskonzept des jungen Herrn mit anderen Augen betrachten und einfach sagen: das hat doch nichts mit Spaß zu tun, der Mann ist geschäftstüchtig und hat einen Bedarf erkannt, sehr klug – aus diesem Bedarf generiert er Erfolg und sichert damit seinen Broterwerb, das reicht doch, das ist doch, worum es geht! Auch richtig für den einen oder für die andere – und für manch eine/n eben doch nicht nur…
Allein, dass der Chinese anders motiviert morgens in seinen Kiosk steigt, zeigt die unterschiedlichen Dimensionen des Spaß, ob er Spaß an seinem Erfolg erlebt oder auch schon Spaß hat beim Verkauf an die anderen Kletternden.

Mir jedenfalls hat das Schreiben dieses Blogbeitrags mal wieder großen Spaß gemacht. 🙂