Erleben Beschäftigte ihre Arbeit als sinnstiftend, so wirkt sich das positiv auf ihre Gesundheit aus: Sie fehlen seltener am Arbeitsplatz, haben deutlich weniger arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und halten sich im Krankheitsfall häufiger an die ärztlich verordnete Krankschreibung„, so beschreibt die WIdO, das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) die Ergebnisse ihrer neuen Studie, des Fehlzeiten-Reports 2018 *.

Eine sinnvolle Arbeit macht Spaß

Man kann es auch so zusammenfassen: Wer das Gefühl hat, bei der Arbeit etwas Sinnvolles zu tun, und dass er beim Chef und den Kollegen wertgeschätzt wird, ist weniger krank.

Jährlich 10 Arbeitstage mehr ist jemand krank, der seiner Arbeit keinen oder wenig Wert beimisst, gegenüber Personen, die ihre Tätigkeit als erfüllend erleben. Eine schlechte Bilanz, die Unternehmen viel kostet.

Sinnlosigkeit lässt uns ausbrennen, macht unzufrieden und krank

Was suchen wir eigentlich in der Arbeit? Wann erleben wir Sinn in der Arbeit?
Dr. Friederieke Hardering von der Goethe Universität Frankfurt leitet ein Forschungsprojekt über das Sinnerleben in der Arbeitswelt. In einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk erläutert sie: Neben den beiden großen Bedürfnissen, die Arbeit erfüllen soll, (nämlich genug Geld zu verdienen und Anerkennung zu erfahren und somit soziale Zugehörigkeit zu erleben), gibt es zusätzlich inhaltliche Ansprüche, die wir an die Arbeit stellen: wir möchten uns mit ihr identifizieren, etwas nützliches tun; ja, unsere Zeit bzw. unser Leben nicht mit einer Tätigkeit verbringen – vielleicht sogar verschwenden -, der wir keinen Wert beimessen.

Der Nutzen, den wir der Arbeit beimessen ist dabei von besonderer Bedeutung. Und da gibt es zwei Perspektiven: Es kann zum einen entscheidend sein, ob und wie die Arbeit in mein Leben passt: ‚Kann ich meine private Lebenssituation, meine persönlichen Anforderungen mit der Arbeit vereinbaren?‘ Und die zweite Perspektive: ‚Erlebe ich die Arbeit als nützlich, nicht nur für mich, sondern auch für andere?‘ Dies führt zu einem positiven Sinnererleben. **

Wir beziehen Sinn aus mehreren Quellen, so der Fehlzeiten-Report:

  1. Aus dem gesellschaftliche Nutzen – wenn wir selber etwas gutes tun können oder für ein Unternehmen arbeiten, das der Allgemeinheit nützt;
  2. Aus dem persönlichen Nutzen – wenn ich meine beruflichen Ziele verwirktlichen kann, wenn ich immer wieder vor für mich interessanten Herausforderungen stehe;
  3. Und aus dem sozialen Umfeld – wenn ich Identifikation erlebe, ich michmit meiner Tätigkeit, meiner Gruppe, unserem Unternehmen identifizieren und mich in meinem Umfeld wohlfühle.

Vor allem das soziale Umfeld (Punkt 3) und der persönliche Nutzen (Punkt 2) sind dafür, so die Befragten der Studie, besonders wichtig beim Erleben einer sinnvollen Tätigkeit.

Und wenn wir zum Gesundheitsaspekt zurückkehren:
Es ist nicht das Zuviel an Arbeit, das die Befragten bemängeln, sondern das Zuwenig an Bindung und der Eindruck, gegen die eigenen Überzeugungen und Gefühle anzuarbeiten. Eine schlechte Unternehmenskultur, mangelnde oder schlechte Führung und nicht funktionierende menschliche Beziehungen verstärken das Empfinden von Sinnleere. (ZEIT Online: Arbeit ohne Sinn macht krank)

Sinn in der Arbeit bringt allen etwas

Was kann helfen?
Die Studienleiter sagen: „Für das Sinnerleben sind den meisten Beschäftigten vor allem persönlich und sozial motivierte Aspekte ihrer Arbeit wichtig“: sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen, eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen, ein gutes Betriebsklima, die Loyalität des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern sowie ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten empfinden sie als bedeutsam.

Da haben Unternehmen also noch einiges an Potenzial, um Fehlzeiten zu reduzieren. Und um gute Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.

Gefallen hat mir, wie Friedericke Hardering aus den Ergebnissen ihrer Forschung zusammenfasst, was Unternehmen tun können – und was manche auch durchaus bereits verwirklichen:

  1. Das Engagement in sozialen Projekten ermöglichen, bzw. dieses fördern,
  2. Mehr Flexibilität einräumen, so dass die Mitarbeitenden ihre Arbeit besser mit den anderen Bereichen ihres Lebens vereinbaren können,
  3. Eine gute Führungskultur entwickeln, Handlungsspielräume gewähren, die Bedeutung der Tätigkeit der Mitarbeitenden sehen und Wertschätzung ausdrücken.

Das macht Sinn – und gibt Sinn!

Haben Sie’s gemerkt? Bisher war noch gar nicht vom Einzelnen, vom Mitarbeitenden die Rede. Er oder sie kann nämlich auch etwas machen – sollte etwas machen! Die eigene Gesundheit, die persönliche Zufriedenheit, den Sinn in seinem Leben finden, das überlässt man doch nicht jemandem anderen. Oder?
Nehmen Sie die Verantwortung für Ihr Leben in Ihre Hände. Und das bedeutet konkret: verändern Sie Ihre Situation, suchen Sie was Sie brauchen, was Sie verändern können. Und wie Sie es verändern können! Ihr Leben, Ihre Gesundheit sind zu wertvoll, verschwenden Sie diese nicht.
Und wenn Sie nicht wissen, wie dies gehen soll: holen Sie sich Unterstützung…

… das macht wirklich Sinn.

Hier der Film zum Fehlzeiten-Report:

* Die Studie ist als Buch erschienen: Fehlzeiten-Report: Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft. Schwerpunkt: Sinn erleben – Arbeit und Gesundheit.
Badura/Ducki/Schröder/Klose/Meyer (Hrsg.), Berlin 2018; 608 Seiten; 54,99 €; ISBN: 978-3-662-57387-7.

Der Fehlzeiten-Report, der vom WIdO, der Universität Bielefeld und der Beuth Hochschule für Technik herausgegeben wird, liefert jedes Jahr umfassende Daten und Analysen zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft.

** Auf der Webseite von Friedericke Hardering und dem Zukunftsinstitut finden Sie viele weitere interessante Beiträge: Zukunftsinstitut/Themendossiers

Das Beitragsfoto ist aus dem Filmbeitrag des Fehlzeiten-Reports, s.o.