Die junge Tierärztin erläuterte mir einige Hintergründe zur Arbeit an ihrer Promotion: „Papagaien sind neophob,“ erklärte sie „sie haben Angst vor Neuem. Veränderungen mögen sie nicht.“ Ich spitzte die Ohren, ihre Erfahrung mit den Papagaien schien ich aus einem anderen Kontext zu kennen – den Begriff kannte ich aber noch nicht. Das hörte sich ja durchaus spannend an, das mit der Neophobie bei Papagaien!

Menschen haben oft Angst vor Veränderung, damit sind sie nicht alleine

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Und sie erzählte weiter: Als sie den Tieren Spielzeug zur Ablenkung in die Voliere bringen wollte, musste sie die unterschiedlich farbigen Förmchen erst nach und nach einführen, jedes Mal erzeugte die neue Farbe, eine andere Form zunächst große Aufregung. Um dies zu vermeiden musste sie über mehrere Tage, manchmal über mehrere Wochen hinweg, erst nach und nach die neue Figur einführen, dabei sachte mit den Papagaien sprechen, die sie gut kannten. War sie zu brüsk oder ihre Präsentation des neuen Spielzeugs zu hastig, so bekamen die Papagaien Angst und flogen wild durch die Voliere, flogen sogar gegen die große Fensterscheibe, so heftig war ihr Fluchtinstinkt vor dem Neuen.

Menschen haben oft Angst vor Veränderung, aber Tiere auch

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„Das ging so, bis der Neugierigste kam.
Da war der Bann dann gebrochen. Alle anderen zogen nach bis am Ende alle ihren Spaß mit den bunten Plastikhütchen hatten.
Und bis zur neuen Veränderung, dann ging alles wieder los mit dem Zaudern und Zögern.“
Ich musste schmunzeln: wie menschlich ihr Verhalten doch ist!

Später erinnerte ich mich dann an ein Video, das ich neulich gesehen habe.

Da ging es zwar weniger um die Angst vor dem Neuen, aber darum, sich zu trauen, mutig zu sein, Neues – vielleicht sogar Verrücktes – zu machen; es ging über das Begeistert-Sein und das Begeistern – und wann Menschen einem anderen, einer Idee folgen … bis das Neue ganz normal ist.

P.S. Das Titelbild ist von Ruth Caron über Unsplash . Danke!