Seit Monaten nun schon geht sie durch die Medien!… Sie ahnen es? Die Einführung der E-Scooter, ja genau. Mit einer gewissen Verwunderung höre und lese ich die verschiedenen Beiträge und Statements und staune. Staune über die Herangehensweise mit Neuem, den Umgang mit Fortschritt, technischen Entwicklungen, das Sprechen über Bedenken und Befürchtungen. So viel Skepsis, so viele Gefahren und Risiken überall! Werden positive Aspekte überhaupt gehört, gesehen?

Natürlich kann etwas passieren, wenn ich E-Scooter fahre und nicht aufpasse, mich überschätze, kein Gleichgewicht halten kann, zu spät oder zu abrupt bremse, betrunken fahre und und und. Und natürlich muss ich rücksichtsvoll fahren und mich in den Straßenverkehr einfügen, auf Autos, Fahrräder, Fußgänger, Hunde und und und Rücksicht nehmen. Doch: Ist es nicht natürlich, dass es eine Frage der individuellen Umgangsweise mit der dargebotenen Möglichkeit ist?

Kein Tag vergeht, ohne dass wir hören, wie gefährlich die Einführung des E-Scooters ist, wie viele Unfälle bereits passiert sind. Uns wird ganz eindeutig klar gemacht, dass diese Entwicklung offenbar eine Fehlentwicklung ist.

Da muss ich an die Einführung der Eisenbahn denken, an die Einführund des Telefons, des Autos… immer gab es Ängste, Unkenrufe und seeeeehr viele Bedenken: die Geschwindigkeit des Zuges führt zu Lungenentzündungen hieß es (die erste Eisenbahn fuhr 8km/h), beim Telefonieren wird man abgehört (das Fräulein vom Amt stellte ja quasi per Hand die Verbindung her), das Auto fährt alle zu Tode (die ersten Autos durften nicht auf der Straße fahren), … auch vor der Impfung, der Dampfmaschine, dem Computer, dem Handy, dem Internet, und und und hatten wir Bedenken und Angst. Der Fortschritt war aber jedes Mal nicht aufzuhalten; und ein Leben ohne diese Neuerungen ist schon längst nicht mehr denkbar. Der Mensch ist neophob (= Angst vor Neuem), das steht fest. Es scheint wirklich für sehr viele Menschen zu gelten.

Aber müssen Presse und Politik in dieser Form darauf aufsteigen? Wie sollen neue Prozesse eingeführt werden, wie sollen Menschen dahin gebracht werden, die globalen Veränderungen der Zeit, der Technologie, der Medizin, des Denkens allgemein anzunehmen? Ohne Veränderung bleiben wir aber stehen und wer bereit ist, die Veränderung anzunehmen hat ein Vorteil. Wäre es nicht mal an der Zeit, Veränderungen mit Offenheit zu begegnen, sie sich zunächst einmal überhaupt anzuschauen, bevor wir Bedenken und Befürchtungen äußern?
Auch Fahrrad fahren musste zunächst gelernt werden und es ist ganz leicht vorstellbar, dass es eine gute Weile gedauert hat, dass die Anzahl der Umfallenden und der Unfälle zurück ging.

E-Scooter machen auch Spaß, Entwicklungen neugierig begruessenWie viel ist Schutz und Fürsorge von Politik, öffentlicher Hand, Gesetz ist notwendig, ab wann bedeutet dies auch ein Mangel an Selbstverantwortung, das dem/der Einzelnen ein falsches Signal sendet. Letzten Endes müssen wir uns alle den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Veränderungen stellen und mit Verantwortung unsere Zukunft mitgestalten. Bremser gehören zu jeder Veränderung dazu, aber lassen wir sie nicht zu den Bestimmenden einer Gesamtstimmung werden!

Wie schön wäre es, wenn einer Entwicklung mal mit offenen Armen begegnet würde: „Eine großartige Erfindung, die es Fußgängern und Fußgängerinnen schnell, unkompliziert, Energie schonend, geräuschlos und sehr flexibel möglich macht an den Ort in der Innenstadt zu gelangen, wohin sie möchten. Die ideale Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, ein gutes Argument, sein Auto vor den Toren der Innenstadt zu parken. Außerdem macht es großen Spaß, hält jung und zaubert den Fahrenden ein Lächeln ins Gesicht. E-Scooter sind cool.“
Wie wäre es, wenn wir alle offen(er) für Neues wären? Wenn wir öfter ermutigt würden, dass Neuerungen nicht schlecht sind, dass es eine Frage der Gewohnheit ist, sich Neuem gegenüber zu öffnen – mehr nicht. Dass ja auch Fahrrad fahren gelernt werden musste und nun gibt es die Dinger auf der ganzen Welt.

Ziemlich wahrscheinlich werden E-Scooter am Schluss noch ein Hype werden. Trends beginnen immer mit nur einigen wenigen Innovativen (2,3% Innovators), bevor ein gutes Achtel – 13,5% der Bevölkerung, – startet und das Neue aufgreift, es ausprobiert, dann zieht der erste größere Anteil der Bevölkerung (34%) mit und schließlich ist die Hälfte der Bevölkerung dabei – es ist nichts Neues mehr, sondern normal geworden. Etwa 50% kommen später mit dem Neuen in Berührung. Werden Sie sich mal auf einen E-Scooter stellen? Sich diesen trotz der Unkenrufe mal neutral anschauen? Ich hab’s im Herbst in Warschau ausprobiert – E-Scooter fahren ist klasse!

Beitragsfoto: Herbert Neubauer / APA auf muenchen.de

Wollen Sie zu den E-Scootern weiterlesen? Hier einige intessante Aspekte, die Artikel, aus denen ich die Bilder „zitiere“:
Muenchen.de: E-Scooter in München: Das müsst Ihr beim Fahren beachten
Süddeutsche Zeitung vom 07.05.2019: Wie gefährlich sind E-Scooter? von Christina Müller
Deutschlandfunk vom 21.07.2019: Ohne Zulassung kann’s teuer werden von Kai Rüsberg