Der November hat’s in sich, neblige Tage, zunehmende Dunkelheit und dann kommen auch noch lauter stille, „Einkehr haltende“ Feiertage daher: Allerheiligen, Allerseelen, Buss- und Bettag, der Volkstrauertag, da scheint der Tod überall zu sein. Da fand ich den Artikel passend, interessant, unterhaltsam, neu und zum Schmunzeln zugleich, über den ich vor einigen Tagen im Netz „gestolpert“ war. Denn, was wissen wir in der Tat über den Beruf der Bestatter? Ich hatte mir zuvor noch nicht detailliert darüber Gedanken gemacht, was diese Zunft bei der Ausübung ihres Berufs an Wissen alles benötigt, geschweige denn, dass es sich hier um einen Ausbildungsberuf handelt. Denn richtig begraben will gelernt und geübt sein, meint einer der Dozenten des gibt es nämlich einen weltweit einzigartigen Lehrfriedhof, einschließlich Bundesausbildungszentrum für Bestatter und Bestatterinnen. Herr Liebler muss es also wissen.

Jedes Jahr werden in Münnerstadt rund 500 Auszubildende aus ganz Deutschland auf ihren Beruf vorbereitet, hier werden sie zur Fachkraft Bestattungswesen ausgebildet, denn bundesweit gilt seit knapp 20 Jahren ein einheitlicher Standard. In den meisten anderen (europäischen) Ländern gibt es demgegenüber keine Ausbildung. Aber zum Lehrfriedhof kommen inzwischen auch Gäste aus der ganzen Welt, um sich in Münnerstadt auf den neuesten Stand der Bestattungspraktiken zu bringen, so z.B. aus China oder aus Russland.

Es gibt einiges zu lernen und zu üben, wie das Ausheben von Gräbern, wie man ein Grab mit der Hand aushebt oder der Umgang mit dem Grabbagger, wie Nachbargräber während des Aushubs mit Erdcontainern, in denen man die Erde zwischenlagert, überbaut werden, damit sie statisch standsicher sind. Außerdem reicht es nicht, einfach ein Loch zu graben, man muss das Grab auch verschalen. Zudem werden zahlreiche Unfallverhütungsvorschriften vermittelt, z.B. wie die Standfestigkeit des Grabsteins überprüft wird. Manchmal übernehmen Friedhofsgärtner oder auch Baufirmen die Aufgabe des Grabaushebens, aber dieses Wissen gehört zum Know-how der Bestattungsfachkraft.

Bestatter und Bestatterinnen müssen die verschiedenen Holzarten kennen und hierzu beraten können. Darüber hinaus lernen die Lehrlinge in der Werkstatt auch das Anbringen von Griffen an Särge und die Vorbereitung der Särge für den Auslandstransport, wie die Einrichtung der Innenausstattung und das Verlöten der Zinksärge.

Auch die Verstorbenenversorgung ist ein großer Bereich der Ausbildung, also der richtige hygienische Umgang mit den Verstorbenen; dass man sie nicht nur wäscht, fertig macht, sondern auch desinfiziert. Es gibt ja Infektionsrisiken durch ansteckende Krankheiten. Da muss man wissen, wie die Übertragungswege und die Inkubationszeiten sind.

Der Lehrplan sieht auch die Vorbereitung auf Beratungsgespräch und Trauerpsychologie vor, in denen man auf den Umgang mit den Angehörigen vorbereitet wird. Die Dekoration der Kapelle gehört inzwischen ebenso zur Ausbildung, wie das stilvolle und schöne Aufbahren der Verstorbenen.

Auch im Beruf des Bestatters hat sich in den vergangenen 35 Jahren viel verändert, ganz besonders im bei der technischen Entwicklung. Bis vor einigen Jahren arbeitete kaum ein Bestatter mit EDV oder kannte den Umgang mit einem PC, inzwischen ist auch hier viel gefragt, wie die Beratung beim digitalen Nachlass: was passiert mit dem Facebook-Konto des Verstorbenen, was mit seinen eBay, PayPal und seinen anderen Konten. Hier kann die Bestattungsfachkraft ihre Hilfe anbieten und unterstütz dabei, wie man die Accounts stilllegen oder, wie bei Facebook, in einen Gedenkzustand überführen kann.

Hätten Sie’s gewusst, wie vielfältig der Beruf ist? Übrigens kein reiner Männerberuf mehr, die Verteilung bewegt sich bei in etwa rund 50%Männern und 50% Frauen. Und wenn es früher überwiegend Bestatterkinder waren, die wieder Bestatter wurden, so hat sich dies über die Jahre stark gewandelt: seit es sich hier um einen Ausbildungsberuf handelt, sind es viele Frauen geworden und die Anzahl der Quereinsteigenden ist massiv gestiegen. Man kann sich zum Meister weiterbilden und auch spezialisieren, wie zum Beispiel zum/r Geprüfte/n Kundenberater/in Friedhofsservice, zum/r Geprüfte/n Krematoriumstechniker/in oder Bestatter/in im Notfalleinsatz. 

Bestatterinnen und Bestatter arbeiten bei Bestattungsunternehmen oder bei der Kommune, sind manchmal auch selbstständig tätig. Es gibt große Unterschiede bei den Anforderungen: eine meiner Kundinnen war nach vielen Jahren als Fremdsprachenkorrespondentin in einem Bestattungsunternehmen beschäftigt, das sich die besonders aufmerksame Begleitung der Hinterbliebenen auf die Fahne geschrieben hatte. Die Kundin kam zu mir, da sie zurück in ihren ehemaligen Beruf wollte: die Erwartung an die Geschwindigkeit der Beratung und der Verkaufsdruck war enorm gestiegen.

Über diesen Beruf kann man kaum sprechen, ohne dass es gleich einen zynischen Beigeschmack bekommt. Aber beim Schreiben erinnere ich mich gerade an die Comics von Lucky Luke: kennen Sie den Bestatter der Western Citys? In schlechten Zeiten hat er Hochzeiten, aber krisenfest ist sein Geschäft immer. Stimmt doch, nicht?

Wir haben den November gleich geschafft, die dunkelsten Tage auch. Mir jedenfalls reicht’s mit der Dunkelheit und dem Trübsal. Ich freue mich jetzt auf Glitzer und Kerzen, weihnachtliche Vorfreude, die näher kommende Sonnwende und hoffentlich bald Schnee in den Bergen. Und dann geht es auch wieder bergauf. Nur noch 6 Tage und dann gibt’s auch schon das erste Türchen…