Das war eine wilde Woche voller wichtiger Rücktritte: Annegret Kramp-Karrenbauer gibt ihren Rücktritt als Parteivorsitzende bekannt, Kardinal Marx tritt als Vorsitzender der Bischofskonferenz zurück, Jürgen Klinsmann von seinen Posten als Trainer und Vorstandsvorsitzender. Das nimmt mein morgentliches Radio zum Anlass, mit dem Journalisten Moritz Küppers über sein Buch „Rücktritte. Über die Kunst, ein Amt zu verlassen“ zu sprechen und darüber, wann ein Rücktritt ein gelungener, wann ungelungen ist und als Scheitern gesehen wird. Und wann Perspektiven entstehen oder verbaut werden. Interessante Aspekte, Einsichten, die ich auch aus meiner Arbeit als Coach, Karriere- und Newplacement-Beraterin kenne.

Manchmal muss man gehenWährend Moritz Küppers in seinem Buch über den Weggang von Größen in Politik und in Wirtschaft spricht, denke ich an viele meiner Kundinnen und Kunden, von denen einige gehen mussten, andere selbst gewählt gingen und wieder andere gingen, bevor sie hätten gehen müssen. Einige Aspekte, die im Interview erwähnt werden, kenne ich auch aus meiner Arbeit.

Optimalerweise, so Küppers, geht die Person aus freien Stücken, bevor sie gehen muss. Nun, das ist – auf Mitarbeitende und Führungskräfte übertragen – nicht immer der Fall. Manchmal macht es in der Tat Sinn, auf den richtigen Moment zu warten – dann aber gut beraten und voll informiert. Den richtigen Moment zu finden, ist beim Rücktritt einer der schwierigsten Punkte. Bei der Kündigung wird dieser Moment oftmals von „äußeren Kräften“ gesteuert: die Zusage für die neue Stelle, die Übernahmeverhandlungen, das Aufhebungsangebot, die Kündigungsfrist, das Projektende, … Kompliziert ist aber doch eher die vom Unternehmen ausgesprochene Kündigung: Oft gefolgt (übrigens für beide Seiten) von unguten Gefühlen: auf der einen Seite Angst vor Ärger, Unmut und der vermehrten Sorge seitens der Belegschaft, auf der anderen Seite mit Unsicherheit angesichts der Zukunft, mit dem Gefühl der Scham und der Kränkung. Und immer auch begleitet von Trauer, von Ärger und manchmal auch von Wut. Und der Furcht, dass dieser Moment als Moment des Scheiterns nun für alle Zeiten im eigenen Lebenslauf eingraviert ist.

Dem ist nicht so: Wie beim Rücktritt kann das Ende auch zu einem guten neuen Anfang an anderer Stelle führen. Das ist aber von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine große Hilfe kann es sein, bei einem kompetenten Berater bzw. einer professionellen Beraterin Unterstützung und Begleitung zu finden. Neutral und mit Überblick kann diese/r einem bei der Definition der Richtung, der Schärfung des Profils, der Erstellung passgenauer und aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen zur Seite stehen, aber auch gemeinsam die Bewerbungsstrategie und die nun folgenden und notwendigen Schritte definieren und Kommunikation und Selbstpräsentation vorbereiten. Aber auch durch die emotionalen Fallstricke führen.

Die Begründung für den Weggang muss ebenso gut nachvollziehbar sein, wie die Motivation für den zukünftigen Schritt. Dann gewinnt man erst Überzeugungskraft – und diese benötigt man in dieser Situation ganz besonders. Wie schön dann zu erleben, dass die Niederlage, der Verlust der Stelle, die Unsicherheit überwunden sein kann; dass man darüber steht – selbstbewusst. Und neue Perspektiven entstehen!

Manchmal muss man gehenSolange aber zu viele Gefühle damit verbunden sind, gelingt dies schwer, in den meisten Fällen gelingt es nicht. Und das führt dann – das habe ich in der Beratung oftmals erlebt – zur Vergrößerung der Unsicherheit, zu zunehmender Scheu, sich selbstbewusst und kompetent zu präsentieren und damit auch zwangsläufig zu mangelnder Klarheit und fehlender Überzeugungskraft bei Gesprächen. Eine schlechte Basis für einen Neuanfang, eher eine Basis für emotionale Talfahrten und für weitere Niederlagen.

Ist dies aber überwunden, so entstehen oft tolle Neuanfänge, wie ich immer wieder mitbekomme.
So habe ich diese Woche erst zwei Nachrichten erhalten: „Ich bin nun bei der ‚Firma XYZ‘ gelandet, auf der Soundso-Stelle. Ich bin sehr froh, dass ich den Absprung von ‚Firma ABC‘ geschafft habe… Vielen Dank für Ihre Unterstützung übrigens!“ Und: „Ich habe nun das Angebot von ‚Firma 123‘ bekommen und freue mich sehr. Bis vor kurzem hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich so schnell nach all diesen Turbulenzen, das Gefühl haben würde, genau das Richtige für mich zu finden.“ – Das sind doch schöne Perspektiven!

 

Beitragsfoto: Ludwig Erhart nach seinem Rücktritt, 1966 – © ullstein bild – Sven Simon