Sie kennen die Geschichte vom „Obstsalat zum Frühstück“? Im letzten Beitrag erzählte ich von der Schwiegermutter, die sich diese Köstlichkeit entgehen läßt mit den Worten ‚Nein, den isst man doch zum Nachtisch. Nein, den kann ich jetzt nicht essen‘. Schade, oder? Eine kleine Erfahrung – auch eine kleine süße – nicht zu machen, einfach weil ich es noch nie getan habe.

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Eine kleine Geschichte nur, die mich aber weiter begleitet hat.

Solche Muster, Glaubenssätze und Begrenzungen bei anderen wahrzunehmen, ist vergleichsweise einfach, auch mit unserem Finger darauf zu zeigen. Wie simpel erscheint es uns, eine Nichtigkeit, eine kleine Überzeugung wie den „Obstsalat“, loszulassen. Und dies besonders, wenn es sich um den Glaubenssatz einer anderen Person handelt.

 

Loslassen

Aber seien wir ehrlich, wenn es um uns ganz persönlich geht, wird es schwierig. Wie lieb sind uns selber all diese Identifikationen und Überzeugungen geworden, die wir in uns tragen –  und wie stark müssen wir sie verteidigen, um uns zu definieren: ‚Das macht mich aus, ich bin (halt) so.‘
Und schon ist es passiert: ein Großteil unserer Kommunikation – und auch unseres Innenlebens – besteht aus genau solchen Glaubensmustern und Überzeugungen.

Es gibt Studien, die belegen, dass wir 95% unserer Entscheidungen aus einem Automatismus heraus fällen. Das geht schnell, braucht nicht viel Aufmerksamkeit und spart Energie… Denken wir jedenfalls.

Wie viel Energie bedarf es aber, genau diese Glaubenssätze und Überzeugungen festzuhalten und immer wieder zu verteidigen?

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Haben wir einmal festgestellt, zu welch großem Teil wir uns mit festen Identifikationen zugeschnürt haben und wie unflexibel wir jetzt geworden sind, wollen wir diese vielleicht lösen, loslassen. Diese abschütteln, wie die pinkelnde Ameise, die auf meiner Hand sitzt und mir gleich weh tun wird. Weg mit dir, du störst!

Wie geht aber eigentlich Loslassen? Dieses Loslassen, das überall propagiert wird, das sich so leicht anhört und doch so schwer zu tun ist. Heißt es, diese Gewohnheit wie die Hand zu schütteln, damit sie abfällt? Heißt es, die Ameise zu nehmen und wegzuschnippen. Ja und nein. Denn das reicht nicht.

Loslassen ist ein aktiver Impuls, dem Leere folgen würde, wenn diese nicht durch eine neue größere Überzeugung gefüllt würde, die uns motiviert, lohnend und estrebenswert ist.

Fenster mit Meerblick

Sind wir uns bewusst und erkennen wir, wie viel energiereicher, lebendiger, fließender wir ohne unser Korsett aus Glaubenssätzen und Überzeugungen sein werden, und wie viel selbstbewusster?

Und deshalb geschieht Loslassen hin zu etwas Größerem. Hin zu einer Quelle, die plötzlich viel energiereicher sprudeln wird, wenn wir uns dieser bewusst werden und diese wollen. Was könnte dieses Größere sein? Gottvertrauen, Vertrauen in den Fluss des Lebens, Vertrauen in die Veränderung, Vertrauen auf unser Inneres, auf uns…?