„Hallo Frau Krombholz, ‚das Hobby zum Beruf machen‘ ist ein schönes Thema!“ Diese Nachricht erreichte mich kurz nach Erscheinen meines Interviews. Ein ehemaliger Kunde*, leidenschaftlicher Sportler und Bergfex, schrieb mir: „Ohne, dass ich jemals darauf hingearbeitet hätte, ist es nun, seit einVom Hobby zum Beruf braucht es manchmal Umwegeer Woche, für mich zur Wirklichkeit geworden: ich bin jetzt Produktmanager bei Schneestern. Ich verantworte Produkte zur Inszenierung von Skifahren und Snowboarden. Wir beliefern die großen und kleinen Skigebiete in den Alpen. Außerdem werden wir unter anderem den Freestylepark für die Olympischen Spiele bauen. …

Dass Hobby und Beruf so ineinander greifen ist nur gelungen, weil ich die Fähigkeiten, die ich in meinen früheren Positionen aufbauen konnte, nun in meiner Stellung einbringen kann. Als „nur“ leidenschaftlicher Berggänger, Mountainbiker und Snowboarder hätte das sicher nicht geklappt. Jetzt ist das Hobby aber die optimale Ergänzung.“

Ja, die Erfahrung aus dem einen Bereich bereichert erst den anderen Bereich – und macht diesen erst realisierbar. Dies gilt für die Verbindung von beruflicher Erfahrung mit dem Hobby bei der beruflichen Neuorientierung – aber die Neu- oder Umorientierung kann auch mithilfe von Ausbildungen und Weiterbildungen gelingen.

Goldschmiedin und CoachDas war mein Weg, ich kann nun die Erfahrungen aus meiner Arbeit direkt mit Geschäftsleitungen und Kunden, aus meiner Zeit in kleineren und mittelständischen Unternehmen, in denen ich die Strukturen ganz nah erleben konnte, sogar die Ausbildung zur Goldschmiedin, aber natürlich vor allem die Zeit als Personalerin sowie mein Kennen vieler Veränderungen gut einbringen, alles ergibt nun die Basis für mein jetziges Know-how. Schon im Studium habe ich mein Interesse für Personal- und Persönlichkeitsentwicklung entdeckt, habe Vorträge besucht, Aus- und Fortbildungen gemacht. Es war mir selber damals unklar, wie Goldschmiede, ein geisteswissenschaftliches Studium und meine unterschiedlichen Jobs zusammenpassen sollten. Das Gesamtbild war aber noch nicht sichtbar.
Als ich dann meine Stelle als Personalleiterin aufgrund einer betriebsbedingten Kündigung verlor, war die Selbstständigkeit bereits in die Wege geleitet – hier konnte ich meine Interessen, meine beruflichen, aber auch persönlichen Erfahrungen und Stärken verbinden – und lebe nun meine Berufung – und helfe nun das innere Potenzial, das persönliche Gold zum Strahlen zu bringen.

Das hat eine Weile gedauert, aber ohne die Erfahrungen aus meinem „anderen Leben“ hätte ich meine Tätigkeit als Coach und Beraterin, nicht in dieser Form ausüben können. Ich habe die Zeit gebraucht. Das hat Alexander Fröhlich auch erlebt, ein Schuster aus Leidenschaft, den ich vergangenen Sonntag im Zuge meiner Fortbildung zum Life Design Coach kennengelernt habe.

Alexander Fröhlich in seiner Werkstatt

Alexander Fröhlich studierte zunächst Jura, da sein von ihm sehr bewunderter Großvater Diplomat war, wollte er in seine Fußstapfen treten, und machte Praktika im Europaparlament. Aber auch in Auktionshäusern, weil er sich gerne mit schönen Dingen umgibt. Das Studium war eine mehrjährige Qual, es war ihm schnell klar, dass Jura nicht seinem Wesen entspricht, aber Abbrechen schien keine denkbare Alternative zu sein. Nach dem Abschluss arbeitete  er bei einem Radiosender im Allgäu, als Fotograf in Israel – beides interessant, aber er war geplagt von Gefühlen mangelnder Kompetenz, Eignung und Perspektive. Und immer fehlte ihm etwas zur Zufriedenheit.

Spät erst erinnerte er sich an seinen uralten Wunsch, ein Handwerk zu erlernen, sein Talent, Dinge zu reparieren und seine Bewunderung für gute, schöne Schuhe. Er flog extra aus Israel nach Deutschland, um mit Schustern zu sprechen und sich um einen Ausbildungsplatz als Maßschuhmacher zu bewerben. Dank seiner Frau, unterstützenden Menschen und mehreren wunderbaren Fügungen ist Alexander Fröhlich nun Schuster in seiner eigenen Werkstatt und macht wunderbare maßgeschneiderte Schuhe: MaXarios – Werkstatt für handgefertigte Maßschuhe.
Hier ein schöner Film:

*  Herr F. gab mir sein Einverständnis, seine Mail zu veröffentlichen, um anderen Mut zu machen, ihren Weg weiter zu gehen. Denn es gibt immer wieder Wege – auch ungewöhnliche!