Wer zu viel erwartet, wird enttäuscht. So ungefähr könnte einer der Glaubenssätze heißen, die im Kopf spucken, wenn man sich lieber die Freude verkneift. Wenn ich’s mir überlege, so ist der Satz sehr richtig: die Enttäuschung lauert in der Erwartung – Ernüchterung folgt auf den Fuß.

Gerade vor Weihnachten werden höchste Erwartungen geschürt: die Erwartung, daß es ein sehr schöner Abend wird, daß das Essen ganz besonders gelingt, alle Gäste entspannt sind und mitmachen, die Geschenke gut ankommen, die Atmosphäre freudig, festlich und fröhlich ist – und daß es ein gaaaaanz besonderer Abend wird. Spätestens am nächsten Morgen ist dann alles vorbei, begleitet von der Frage, ob sich das Gehetze, der Aufwand, die Kosten und die Liebesmüh‘ gelohnt haben … Und? Hat sie sich?

Gut kann ich mich an Weihnachten als Kind erinnern: das Warten auf den Heiligabend, an  den Beginn des Festes, das Leuchten des Weihnachtsbaums mit all den darunter liegenden Geschenken. Unsere freudige und angespannte Aufregung bis es endlich losging: was werde ich geschenkt bekommen? Der Glanz des Baumes, das Wunderbare und Festliche überall, das Staunen beim Auspacken und die Freude beim Neuen. Bis tief in die Nacht: noch etwas ausprobieren, zusammen spielen, lachen, Bilder gucken, bis schließlich zum heißen Kakao – je später, desto besser – am Kamin in gemeinsamer Runde getrunken. Den Abend am liebsten nicht zu Ende gehen lassen… das Gefühl festhalten, die wunderbaren Momente. Todmüde und glücklich schließlich, tief in der Nacht, ins Bett gekrochen, voller Vorfreude auf das Spiel am nächsten Morgen. Irgendwann dann im Lauf der nächsten Tage war Weihnachten vorbei, das Wohnzimmer aufgeräumt, der festliche Baum etwas verloren im Raum… ein Trost, daß noch Ferien waren… Mit den Spielen blieb die Freude über das eine oder das andere Geschenk noch länger, länger als der Weihnachtsabend, länger als die Ferien… Welch ein Glück, Geschenke zu bekommen, die überraschen und beglücken – deren Glück noch länger währt und das Herz mit Freude nährt.

Lassen wir uns beglücken, vom Moment verzaubern? Oder sind wir bereits ernüchtert, bevor das Glück uns erreicht? Nehmen wir die Freude an? Oder befürchten wir Konsequenzen, Verpflichtungen, Enttäuschungen? Geben wir der Zufriedenheit einen Raum in unserem Herzen? Oder füllen wir diesen komplett mit Alltag, Sorgen, wichtigen und unwichtigen Nachrichten und dem Chaos in der Welt? Mir hilft der Blick für die Details und für das Schöne, das Empfinden von Dankbarkeit. Das gibt mir Freude, Zufriedenheit und immer wieder eine größere oder kleinere Portion Glück – gute Geister gegen die Ernüchterung. Einige Tage haben wir ja, dann geht’s schon wieder los mit dem Feiern, mit der Erwartung: auch hier wieder soll’s ein sehr schöner, ein besonderer Abend werden, knallig, bunt, freudig, ausgelassen, köstlich und ausgefallen… und danach – wie alle Jahre – die Ernüchterung. Lässt sich Freude konservieren?