Eine Stellenausschreibung ganz anderer Art wurde mir neulich zugeschickt: ein Einsiedler wird gesucht. Richtig, ein richtiger Eremit, mit Einsamkeit in den Bergen, Kapelle, Garten und geistiger Andacht.

Die Einsiedelei in Saalfelden sucht einen neuen Einsiedler

Einsiedelei Saalfelden – Foto: saalfelden.at

Die Gemeinde Saalfelden im Salzburger Land sucht einen Einsiedler für ihre Klause am Palfen. Die Einsiedelei Saalfelden steht seit vergangenem Herbst leer, doch das soll sich bald ändern. Pfarrer und Bürgermeister sind auf der Suche nach einem neuen Einsiedler, Bewerbungsschluss ist nun der 15. März 2017 – es eilt. Die erste Frist, 20.02.17, wurde verlängert, nachdem kein geeigneter Kandidat dabei war. Arbeitsantritt soll Mitte April sein, das steht fest, denn hier findet das große Georgifest statt, zu Ehren von Sankt Georg, Schutzpatron der Klause.

Ausbildung und beruflicher Werdegang sind bei den Kriterien für den Bewerber – es werden nur männliche Eremiten in Saalfelden berücksichtigt – nicht ausschlaggebend. „Der Einsiedler sollte eine Verbindung zum christlichen Glauben haben. Wir suchen einen in sich ruhenden Menschen, der bereit ist zum Gespräch. Er soll sich nicht aufdrängen. Aber er soll da sein für die Pilger“, so der Dechant Alois Moser.  Vor allem muss den Bewerbern klar sein, dass der Einsiedler in Saalfelden kein einsames Leben führt. Es kommen sehr viele Einheimische und Gäste auf die Einsiedelei, um die Aussicht zu genießen, zu beten und zu reden. Die Menschen aus dem Tal kommen zum Einsiedler und erzählen ihm, was sie bewegt und bedrückt. Und das Leben ist einfach und karg. Seit 350 Jahren wird die Einsiedelei von einem Einsiedler bewohnt, der Komfort ist relativ unverändert.

Ein Einsiedler wird gesucht - Verenaschlucht

Die Verenaschlucht – Foto: einsiedelei.ch

Im Sommer 2016 war bereits ein Einsiedler gesucht worden, die Gemeinde Solothurn suchte ihrerseits einen Bewohner für die Klause in der Verenaschlucht. Der neue Eremit, Michael Daum, hat am 01. Oktober 2016 sein Amt angetreten.

Die Schwierigkeit, einen passenden Kandidaten zu finden, liegt aber offenbar nicht am mangelnden Interesse an einem geistlichen Leben, das auf das Wesentliche reduziert ist. Die Zeitung schrieb, dass bei der vorletzten Ausschreibung weit über 100 Bewerbungen aus dem In- und Ausland eingetroffen waren. Doch das war den Herren der Auswahlkommission offensichtlich zu viel des Interesses, weswegen die offene Position nun nur mehr intern ausgeschrieben wurde, was schließlich zu lediglich 22 Bewerbungen einbrachte. Eine durchaus interessante Möglichkeit, den Auswahlprozess zu optimieren…

Irgendwie verblüffend, wenn so eine ganz andere Form des Lebens und Arbeitens wiederum ganz simpel mit einer Bewerbung beginnt.

P.S. Die meisten Einsiedler sind allerdings selbstständig und benötigen keine Bewerbungsunterlagen, in Deutschland sind es um die 80 Eremiten und Eremitinnen, die ein zurückgezogenes, spirituelles Leben führen.

Wer mehr Informationen möchte:
Ein Podcast von ARD: Eremiten oder
ein Beitrag aus dem Spiegel Online: Beruf Eremit