Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr bin ich von diesem Ansatz überzeugt: die Entwicklung positiver Veränderung bedarf eines iterativen Prozesses.
Iterativ = wiederholend, sich schrittweise in wiederholten Vorgängen der exakten Lösung annähernd.

Den Ausdruck kenne ich nicht aus der Mathematik oder der Softwareentwicklung – wofür er ursprünglich genutzt wurde – , sondern aus dem Design Thinking. Jenes Ansatzes, der zu den agilen Methoden gehört und aus komplexen Anforderungen und Fragestellungen für die Annäherung an optimierte Produkte, Services und Lösungen in der Produktentwicklung entwickelt wurde. Aber ich möchte heute gar nicht auf diesen tollen Ansatz eingehen, mit dem ich fürs Coaching wertvolle Möglichkeiten gewonnen habe. Mir geht es jetzt um den Aspekt daraus, der mir als die Basis geglückter Veränderung erscheint, als Voraussetzung für positive Entwicklung: Veränderung ist ein Prozess.

Veränderung ist ein iterativer Prozess zwischen Beobachten, Ideen und Testen

Grafik: Patrick Lobacher auf informatik-akutell.de

Veränderung ist ein Prozess und besteht aus dem Beobachten, der beobachtenden Kombination von Analyse und Inspiration, dem anschließenden Kreiieren von Ideen und dem nachfolgenden experimentellen Testen. Dies wiederholt sich immer wieder… bis zur optimalen Lösungsfindung.

Veränderung ist ein Prozess, der sich schrittweise der besten Lösung annähert – und es genau damit möglich macht, dem Ziel eine ideale, eine visionäre Dimension zu geben.
Veränderung ist ein Prozess, der Fehler und Irrtümer einschließt, weil diese zum Suchen der bestmöglichen Lösung gehören – und es zulässt, dass in jedem Fehler eine wertvolle Information steckt.
Veränderung ist ein Prozess, der auf der Suche nach dem idealen Ergebnis, Zwischen-Ergebnisse durch Beobachten und Analysieren als Zwischen-Bilanz nutzt und immerzu kreative Lösungen sucht, um sich so dem idealen Ziel zu nähern. Permanent… in Wiederholungen, in Loops, in Iterationen; weil Veränderung innerhalb der sich verändernden Lebensbedingungen für sich weiter verändernde Subjekte stattfindet. Veränderung ist ein iterativer Prozess.

Daran musste ich erst wieder denken, als ich gestern im Kino war und eine wunderbare Dokumentation gesehen habe: Unsere große kleine Farm.

Ich gebe es zu, der Titel ist nicht gerade umwerfend, aber die Bilder sind es und die Haltung ist es auch, mit der die beiden Neu-Farmer, er ursprünglich Dokumentar-Filmer, sie Food-Bloggerin und Küchenmeisterin, ihre Vision eines sinnvollen Lebens über 8 Jahre verfolgen. Mit Intelligenz, Pragmatismus, Durchaltevermögen und anfänglicher Expertenbegleitung verfolgen sie ihren Traum – und verwirklichen diesen, obwohl einige Rückschläge das Aufgebaute immer wieder bedrohen. Sie erkennen, die Lösung liegt im genauen Beobachten der Zusammenhänge. Alles hängt zusammen und alles erfüllt einen Zweck im Kreislauf des Lebens.

Voraussetzung für die Lösung ist immer wieder, die Komplexität zu fördern, zu erhöhen – keine Vereinfachung, sondern Diversifikation. Schließlich funktioniert der Kreislauf und nach 8 Jahren harter Arbeit ist das Leben auf der Farm, einer vormals auf Monokultur ausgerichteten Farm in Kalifornien, eine wunderbare große kleine Farm. Ein grünes Paradies, das im Gleichklang und in Harmonie Grundlage für das Leben der verschiedenen Arten, der Nutz- und Wildtiere ist: alles hat seine Bestimmung gefunden.

Die beiden, Molly und John Chester von der Apricot Lane Farms, beschreiben ihre Mission: „While not perfect, we strive everyday to do the following; and as our knowledge about the environment and food grows, we promise to reevaluate our practices.“ – Der iterative Prozess. 🙂

Den Film sehe ich mir mit Sicherheit noch (mindestens) ein Mal an: allein die Schönheit der Bilder der Tiere, Insekten, der Pflanzen, Landschaften und des Zusammenwachsens, die John Chester gemacht hat, sind grandios! Die Gedanken und Ambitionen dieser Menschen aber auch. Meine größte Bewunderung gehört ihnen!