Diskrimierung zu erleben ist schmerzhaft, Ungerechtigkeit zu ertragen wiegt schwer, Unrecht zu erfahren bleibt ein Dorn in Seele und Fleisch.
Persönliche Diskriminierung darf nicht toleriert werden. Unrecht, das strukturell und institutionalisiert ist, ist die Grundlage, die Ungerechtigkeiten aufrecht erhält und fortpflanzt. Vorurteile, Klischees und Bosheiten festigen das System des Unrechts, lassen es bis ins Unbewusste hineinwachsen, wo es zur Wurzel diskrimierender und ungerechter Gedanken, Worte und Taten wird. So wird das Übel fortgetragen.

Eine Passage aus einem Artikel des aus Nigeria stammenden Fußbalers Anthony Ujah hat mich bewegt. Er berichtet von dem Ereignis während des Spiels seiner Mannschaft Mainz 05 gegen Hannover, als ein Mann in den Zuschauerrängen Affengeräusche macht, während er, der Schwarze, sich für seinen Einsatz am Spielfeldrand aufwärmt:

„Vor zwei Jahren … habe ich in Hannover auf dem Fußballplatz selbst meine Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Der schmerzhafteste und auch überraschendste Moment dabei war jedoch der Anblick eines Jungen auf den Rängen. Er war vielleicht zehn oder zwölf. Er stand direkt neben dem Mann, der diese Urwaldgeräusche machte. Er freute sich darüber. Das konnte ich ihm ansehen. Ich weiß nicht, ob derjenige, der die Geräusche machte, sein Vater war, ein Bruder oder ein älterer Freund. Man erkannte aber, dass sie zusammengehörten. … Der Junge ging noch zur Schule, und ich dachte in dem Moment, dass er dort auch auf People of Colour trifft und sich auch außerhalb des Stadions so verhält – und dass dieser kleine, fehlgeleitete Junge noch eine lange Zukunft vor sich hat. Dieser Gedanke hat mich mehr erschreckt und getroffen als die Geräusche des Mannes neben ihm. … Für mich ist entscheidend, sich im Kampf gegen Rassismus auf die Kinder zu fokussieren, auf die Zukuft. Es ist der einzige Weg, dieses schreckliche Virus zu bekämpfen, das schon so lange da ist.

Es muss unser Ziel sein, das Rassismus-Virus auszurotten, auch wenn es unmöglich ist, dass es zu 100 Prozent verschwindet. Wir müssen dafür weltweit zusammenkommen und Solidarität zeigen. … Wir müssen aber dauerhaft solidarisch sein, täglich, nicht nur für einen Tag. Wir müssen dieses Thema immer wieder in die Welt tragen, in die Schulen, in die Zukunft. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass die Welt beim Thema Rassismus tatsächlich zusammensteht und diesen Kampf annimmt. Wenn wir bei diesem Thema vereint sind und vereint bleiben, werden wir in einer besseren Welt leben. … Ich bin froh, dass der Fußball derzeit eine Menge tut… Ich bin froh, dass ich dabei eine Rolle spielen kann, meine Rolle. Es ist wichtig, dass jeder in diesem Kampf seine Rolle spielt, egal an welcher Stelle.“ *

Es ist unsere menschlichste Aufgabe, uns gegen Unrecht an anderen Menschen einzusetzen. Achten wir darauf, welche Worte wir benutzen, welche Vorbilder und Beispiele wir sind. Und wo auch wir dem Virus der Diskriminierung, Ungerechtigkeit, des Unrechts, Hasses und der Gewalt den Nährboden entziehen können.

Auch hier: Der R-Faktor muss kleiner werden. Flatten the curve!!! Wir haben doch jüngst erst Übung bei einer Virus-Bekämpfung gesammelt. Bei Rassismus und Diskriminierung handelt es sich um eine Pandemie, die seit hunderten Jahren Menschen zerstört, seelisch und physisch, und die mehr Opfer gefordert hat, als die, vor der wir uns schützen.
Achten wir alle auf unsere Gedanken, Worte und Taten – damit unsere Kinder in einer besseren Welt leben!

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* „Zeige, dass es falsch ist!“ – Wenn wir über Rassismus sprechen, sorge ich mich um die Kinder, sie sind die Zukunft. Wir als Fußballprofis können etwas bewegen – wir müssen. Von Anthony Ujah (1. FC Union Berlin) in F.A.Z vom 06.06.2020, Seite 32.