Das Thema Macht hat mich vergangene Woche noch beschäftigt, zu oft assoziieren Personen das Wort Macht als negativ und weisen Macht von sich. Wer aber die Möglichkeiten der Macht nicht annimmt, bleibt macht-los, passiv. Was ist Macht?

Sich mächtig und wirksam zu erleben gibt Kraft und Selbstbewusstsein.

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Macht ist das Vermögen des Menschen, ein Ziel unter den gegebenen Bedingungen zu verwirklichen, das heißt, seinen Willen durchzusetzen. Wir erleben, fühlen, sehen Macht, wenn es gilt, Widerstände zu überwinden. Mit Macht klappt es und der/die Mächtige kann sein/ihr Ziel weiter verfolgen; ohne Macht ist Schluss, das weitere Verfolgen des Ziels ist gestoppt, sein Erreichen gescheitert.

Widerstände, die die Macht „herausfordern“, können in der eigenen Person liegen, in der sich darstellenden Situation oder im gleichzeitigen, konkurrierenden Wollen anderer, zwei oder mehr Interessen, die meinem Streben im Weg stehen. Bin ich mächtig, so kann ich mich durchsetzen, meinen Weg weiter gehen. Bin ich machtlos, muss ich aufgeben, der/die andere bekommt seinen/ihren Willen.

Wo Menschen zusammen kommen, da gibt es unterschiedliche Interessen, das liegt in der Natur des Menschen, in der Natur jeder Gemeinschaft, jeder Gruppe, jedes Teams. Wer setzt sich durch? Dem dies gelingt hat Macht. Damit es aber nicht zu einem permanenten Kampf, gar zur Ausübung von Gewalt in der Gruppe kommt, hat der/die Mächtige ein Interesse daran, diese Macht zu legitimieren bzw. legitimiert zu wissen. Dafür werden Regeln aufgestellt, Hierarchien aufgebaut, Positionen ernannt. Die Macht soll gleichzeitig gerecht sein, niemanden einschränken, für Ordnung und für Gutes sorgen. Die Macht nennen wir nun Autorität.

Mit Macht kann ich mein Ziel durchsetzen

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Um Macht auszuüben, braucht der/die Mächtige Machtmittel, Instrumente der Führung. Damit diese nicht zum Gewalteinsatz verwendet werden, ist gewaltlose Macht ein starkes Ideal, Gewaltmissbrauch ein Tabu, das geahndet wird. Die Mächtigen setzen ihre Interessen durch Argumente, Befehle und kommunizierte Ziele durch. Die Machtlosen führen diese aus und bekommen dafür Anerkennung, Geld und Boni. Natürlich habe ich als Mächtige immer das Interesse, die Widerstände gering zu halten und immer besser zu überzeugen, so erreiche ich mein Ziel am effizientesten. Mit Macht schöpfe ich die gegebenen Möglichkeiten aus und gestalte Gegenwart und Zukunft in meinem Sinn. Ich erlebe mich als tätig, aktiv und „mächtig“ – ich bewältige die Herausforderungen.

Natürlich gibt es Machtmissbrauch: Jemand nutzt die Macht, um andere als die kommunizierten Ziele, durchzusetzen. Und es gibt Situationen, in denen sich jemand im Ton oder in der Aktion vergreift. Soziales, diplomatisches, zielgerichtetes Handeln mit möglichst wenig Kollateralschäden will gelernt sein. Ein Grund keine Macht zu haben?
Macht haben bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, für etwas einzustehen. Das kann ungemütlich und unbequem werden. Fehler werden bedeutungsvoller, Kritik gibt es allerorten. Es bedeutet aber auch, zu lernen, zu wachsen, zu gestalten und Teil von Entwicklungen zu sein. Noch ein Grund, keine Macht zu wollen?
Macht haben bedeutet darüberhinaus auch noch, sichtbar zu werden, sich zu zeigen – und angreifbar zu werden. Ist die Unwissenheit mit Kritik umzugehen, die Angst vor Fehlern, die Befürchtung, anzuecken und nicht gefällig zu sein ein guter Grund, keine Macht zu wollen?

Mit Macht kann ich mein Ziel durchsetzen

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Erlebe ich mich als mächtig, erlebe ich mich wirksam: ich bewirke etwas. Mich wirksam zu erleben, stärkt mein Selbstbewusstsein – und damit auch meine Bereitschaft, anstehende und zukünftige Herausforderungen anzunehmen. Mich wirksam zu erleben, stärkt gleichzeitig aber auch meine Überzeugung, diese Herausforderungen auch erfolgreich zu bewältigen. Was wiederum meine Bereitschaft, die nächste Herausforderung anzugehen, befeuert. Selbstverständlich ergibt sich daraus ganz logisch die höhere Wahrscheinlichkeit, die Aufgaben und Situationen, denen ich begegne, dann wirklich zu bewältigen – und weiterhin mehr Erfolg zu haben.

Umgekehrt gilt: machtlos bin ich unwirksam. Nicht nur setze ich mein Interesse nicht durch. Ich zweifle auch, ob ich die Herausforderung bewältigen werde, die sich mir zukünftig in den Weg stellen könnte. Meine Bereitschaft sinkt, neue Aufgaben anzunehmen, neue Aufgaben meide ich. Und bestätige mich und mein Erleben, macht- und erfolglos zu sein. Logisch, dass ich erfolglos sein werde. Logisch, dass mein Selbstbewusstsein leidet – und schließlich auch mein Selbstwertgefühl.

Macht macht wirksam, es lohnt sich, sich mit den Facetten und Möglichkeiten der Macht zu beschäftigen: lieber mächtig als ohn-mächtig.