So langsam, aber wirklich langsam, gewöhne ich mich an die Scheußlichkeiten von blutigen Wunden und schaurigen Fratzen, die begleitet werden von grinsenden Kürbissen, und die den 1. und 2. November ankündigen, Allerheiligen und Allerseelen. Ja, genau: Halloween. {Das Wort setzt sich übrigens aus den Wörtern All Hallows’ Eve, der den Tag vor Allerheiligen benennt, so wie auch bei Heiligabend, Christmas Eve den Abend vor Weihnachten benennt, verriet mir Wikipedia.} Aber wie kommt es zu diesem häßlichen Treiben und Tun zu Halloween? Was soll das ganze Theater eigentlich? Bevor man an die Heiligen und Verstorbenen denkt, vertreibt man wahrscheinlich den Tod, spielt mit dem Bösen, mit Tod und Teufel… oder so ähnlich.

Was ist das Böse?Den Hintergrund zu Halloween liefert die irische Legende von Jack, dem Schmied: „Am Abend vor Allerheiligen saß der geizige und trunksüchtige Jack (aha, ein Böser also! ;-)) in seinem Dorf in einer Kneipe, als plötzlich der Teufel neben ihm stand, um ihn zu holen. Jack bot ihm seine Seele an für einen letzten Drink. Daraufhin bat Jack den Teufel, ihm noch einen Abschiedsdrink auszugeben. Dieser willigte ein und verwandelte sich in ein Geldstück, mit dem Jack den Wirt bezahlen sollte. Doch stattdessen steckte Jack die Münze schnell in seinen Geldbeutel, wo er auch ein silbernes Kreuz aufbewahrte. So war der Teufel gebannt. Damit Jack ihn wieder befreite, musste er versprechen, ihn für die nächsten 10 Jahre noch zu verschonen, dann könne er wiederkommen und seine Seele mitnehmen.

Als der Teufel in der gleichen Nacht zehn Jahre später wiederkam, überlistete ihn Jack abermals: Er bat den ihn um eine Henkersmahlzeit, bestehend aus einem Apfel, den er von einem Baum pflücken sollte. Der Teufel willigte ein und kletterte hinauf. Währenddessen schnitzte Jack schnell ein Kreuz in die Baumrinde, und so war der Teufel ein weiteres Mal gebannt. Um freizukommen, musste er diesmal versprechen, dass er Jacks Seele für immer verschonen würde.

Was ist das Böse eigentlich?Als Jack dann einige Jahre später, wieder in der Nacht vor Allerheiligen, tatsächlich starb, verweigerte man ihm wegen seines schlechten Lebenswandels an der Himmelspforte den Zutritt. Als er daraufhin bei der Hölle anklopfte, ließ ihn der Teufel auch nicht herein. Schließlich hatte er Jack ja versprochen, dass seine Seele für immer vor der Hölle verschont bleiben würde. So musste Jack bis in alle Ewigkeit in der dunklen und stürmischen Nacht zwischen den Lebenden und den Toten umherwandeln. Der Teufel war aber noch so gnädig, ihm ein Stück glühende Kohle aus dem Höllenfeuer mitzugeben, damit er sich wenigstens in dieser Dunkelheit zurechtfand. Um die Lichtquelle vor dem Sturm zu schützen, höhlte er eine Rübe aus, und baute so eine Laterne.“ Seitdem wandelt seine verdammte Seele mit der Laterne am Vorabend von Allerheiligen durch die Dunkelheit.

Deswegen soll an Halloween ein brennendes Stück Kohle in einer Rübe bzw. in einem Kürbis den Teufel und alle anderen bösen Geister abhalten. Dieser Kürbis wurde seither als Jack O’Lantern zu Halloween bekannt.
Und um alle bösen Geister abzuschrecken, schnitt man fortan am Abend vor Allerheiligen Fratzen in Kürbisse, die vor dem Haus den Hof beleuchteten. Feuer, Tänze und Verkleidungen dienten zusätzlich noch zur Vertreibung böser Geister, des Bösen schlechthin. Ein bisschen mehr „Gegen-Böses“ kann nicht schaden, aha.

Vorbereitet auf Schreck und Schauder hat mich ein Radiobeitrag, den ich am Morgen von Halloween gehört hatte. Und der die gute Frage stellte: Was ist eigentlich das Böse? Die österreichische Psychiaterin und Forensikerin, Adelheid Kastner schreibt in ihrem Buch:*

„Ich bin oft gefragt worden, wie ich das Böse definieren würde, offenbar in der Annahme, dass ich ihm ja laufend begegne. Lang ist es mir schwergefallen, darauf eine Antwort zu geben: Das bocksgehörnte, schwefelstinkende Modell hat ausgedient, auch die „Graduierung des Bösen“, das Einteilen in Schweregrade, ist mir immer etwas naiv erschienen, wie ein Versuch, einem nicht Fassbaren mit einem Maßband zu Leibe zu rücken, so, als ob man das Volumen des Pazifik mit einem Esslöffel vermessen wollte.

Mittlerweile habe ich für mich eine Definition gefunden, die vieles von dem umfasst, was mir beruflich begegnet, aber auch vieles, das weit weniger offensichtlich dem so genannten Bösen zuzuordnen ist: Das Böse ist für mich die Negation des Lebendigen, ist alles, was Veränderung verhindert. Es behauptet sich, indem es kein anderes zulässt und, indem es lieber zerstört, als dass es Erneuerung akzeptiert, es behindert Menschen in der Entfaltung ihres Potenzials, verhindert Wachstum und bisweilen auch natürlichen Niedergang, hemmt das Werden und zementiert das Sein.“

Das gibt den Gedanken Raum…
Das ist eine gute Definition vom Bösen. Ja, das Böse verhindert Leben, zerstört das Lebendige, das Wachstum und die Erneuerung.

Lassen Sie uns das Lebendige feiern, Veränderung, Wachstum und den Kreislauf von Werden und Vergehen. Und dem übertriebenem Bedenken, dem permanenten Hadern zeigen wir glühende Zähne…

*Zitat von Heidi Kastner aus ihrem Buch „Wut. Plädoyer für ein verpöntes Gefühl“, K&S Verlag, Wien 2014 – gehört bei BR2, Radiowelt, 31.10.2018